Wo die Falkensteiner Grafen herrschten

05. August 2015

Weyarn - Die Weyarner Ortsmitte füllt sich langsam: Südlich des Alten Wirts sind 22 Wohnungen, 13 Reihenhäuser und vier Gewerbeflächen geplant: Jetzt war Grundsteinlegung.

Dieses Bauprojekt hat eine lange Geschichte. Bereits vor gut 20 Jahren liebäugelte der Grundstücksbesitzer Manfred Graf damit, die Wiesen südlich des Alten Wirts in Weyarn zu bebauen. Im Gemeinderat ploppte das Thema immer wieder auf – Pläne wurden eingereicht, abgelehnt, geändert. Die Fläche wurde dadurch so berühmt, dass sich in der Bevölkerung ein Namen eingebürgerte, der auf die Eigentümerfamilie zurückgeht: „Grafwiese“.

Die Investoren hingegen sprechen lieber von „Gut Falkenstein“ – in Anlehnung an die Historie. „Wir wollen die Tradition rüberbringen“, erklärt Manfred Graf. Denn Graf Siboto II. von Falkenstein stiftete im Jahr 1133 das Weyarner Kloster, das in der Nachbarschaft liegt. Auch die Flächen, die nun bebaut werden, „waren Falkensteiner Grund“, sagt er. Dort befand sich einst eine Hofstelle, der heutige Alte Wirt wurde im 16. Jahrhundert zur Klosterherberge.

Heuer im Frühjahr traf für das jetzige Bauprojekt die Baugenehmigung ein, im Mai feierte man Spatenstich (wir berichteten). Jetzt ist das Bauprojekt in der Ortsmitte nochmal einen Schritt weiter: Die Bauherren der Familie Graf von der Edison-Park Haus- und Vermögensverwaltung sowie Bürgermeister Leonhard Wöhr, Geschäftsleiter Johann Walser, Bauleiter Christian Horner und Vertreter der Baufirmen trafen sich jetzt zur Grundsteinlegung. Man vergrub einen Zylinder, der gefüllt wurde mit einer aktuellen Tageszeitung, einer Urkunde, etwas Kleingeld und einem Buch über den Alten Wirt – verfasst von Manfred Graf.

Sein Sohn Sigmar Graf erklärt: „Es läuft alles gemäß dem Zeitplan.“ Im Juli 2016 sollen die Gebäude einzugsbereit sein. „Der Termin wird haltbar sein.“ Bislang habe es keine Verzögerungen gegeben. „Wir sind sehr zufrieden.“

Die Fundamentarbeiten seien abgeschlossen, die Kellerwände stehen, und die Decken für die beiden Tiefgaragen seien fast fertig betoniert. Der Erdgeschoss-Bau beginne dieser Tage, man arbeite sich von Süden nach Norden durch, bis auf ein kleines Zeitfenster von einem Monat werden alles Gebäude aber nahezu parallel gebaut.

Wie berichtet, entstehen sieben Häusergruppen im Oberlandstil – vier davon in dem Halbrund der Bürgermeister-Panzer-Straße, drei auf dem Grundstück, das nördlich daran andockt. Die Gebäude bekommen zwei bis drei Etagen, es erwachsen 22 Wohnungen sowie 13 Reihenhäuser. Ein Drittel davon soll barrierefrei werden. Alle Wohneinheiten, die Größen zwischen 40 und 130 Quadratmeter erreichen, bleiben in Besitz der Familie Graf und werden vermietet. Das freut besonders Bürgermeister Wöhr, da es in seiner Gemeinde an Mietwohnungen mangele, wie er in der Vergangenheit deutlich machte. Wie einer Internetseite der Firma zu entnehmen ist, kostet der Quadratmeter zwischen elf und zwölf Euro. „Hier haben wir schon Reservierungen“, meint Sigmar Graf. Für Mietverträge sei es in diesem Stadium aber noch zu früh. Graf schätzt, dass 80 bis 100 Leute auf „Gut Falkenstein“ ziehen können.

Zusätzlich sind vier Gewerbeflächen geplant, mit 90 bis 150 Quadratmetern. „Hier gibt es schon Interessenten“, erklärt Sigmar Graf. Darunter ein Friseur, ein Physiotherapeut sowie ein Apotheker. Vor allem Letztgenanntes steht ganz oben auf der Wunschliste der Gemeinde. Und so sollen sich moderne Anforderungen mit der Tradition auf „Gut Falkenstein“ vermischen.

Von Marlene Kadach

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